Einfach nur so

Henrik Lode: „Einfach nur so“

Anthologie: „Heißer Sommer“

Raus aus dem Schatten der Straßenbäume. Hitze schlägt mir entgegen, als ich die Auffahrt zum Park nehme. Trocken und staubig ist die Luft, das Gras weitgehend verbrannt. Wenige freie Stellen fallen ins Auge, Menschenmassen bevölkern das Areal, lachen, spielen, grillen. Kohlequalm hüllt mich ein – Atem anhalten, Augen schließen – schon bin ich hindurch, der Finsternis entronnen.

An der Liegewiese steige ich vom Rad. Menschen sitzen dicht an dicht, gebrandmarkt von Sonne, Qualm und Staub. „Brauchen Sie die noch?“ fragt ein Pfandsammler, deutet auf mein Bier. Ich kippe den letzten Schluck herunter und reiche ihm die Flasche.

Ein Schweißtropfen zerfließt auf meinem Auge. Mit klebrigen Händen wehre ich ihn ab – der Erfolg ist mäßig. Applaus dringt von jenseits der Wiese an mein Ohr. Hinter mir sagt jemand städtische Steppe, ich lache, huste – und beschließe, weiterzufahren. Kurz schauen, wem der Applaus galt, dann ein Eis am Bahnhof.

Morgen werde ich wieder hier langkommen, auf dem Weg zum Kanal oder zum Imbiss oder einfach nur so.

 

 

veröffentlicht in:

Heißer Sommer (Die Sommeranthologie aus dem Elbverlag.)
ISBN 978-3-941127-22-7
(Juni 2012)
© Umschlagbild: Falko Follert

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