Auf und Ab

„Auf und Ab“ von Henrik Lode, Siegerbeitrag des Netzkritzler Schreibwettbewerbs.

„Unterwegs. Anthologie des Netzkritzler Schreibwettbewerbs.“

Jana steigt im Erdgeschoss in den Fahrstuhl. Sie ist eine Hauptperson dieser Geschichte. Daumen auf die 20, 2 Schritt zurück, warten. Derweil steht Alfred in der Tiefgarage vor einem Getränkeautomaten. Auch er ist hier Protagonist.

Während die Türen sich vor Jana schließen, steckt Nebendarsteller Gregor seinen Generalschlüssel ins Schloss und dreht ihn nach links. Die von Jana gewählte Halteanweisung wird gelöscht, Fahrtunterbrechung in Etage 3, Gregor steigt zu, verlässt den Aufzug wieder im Sechsten. Dass ihr Zielbefehl verloren ging, bemerkt Jana erst auf dem Weg ins Untergeschoss.

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Erwartungshorizont

Henrik Lode: „Erwartungshorizont“

Literaturmagazin „Asphaltspuren“ (Ausgabe 17)

Intercity Berlin – Frankfurt, mir gegenüber eine Mutter mit Kind.
Kurz hinter Wittenberg: „Könnten Sie wohl einen Blick auf unsere Sachen werfen, während wir zur Toilette sind?“
„Kein Problem.“
Lächeln, nicken, ab aufs Klo. Ich stehe auf und werfe einen Blick auf die Sachen.

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Die Hummel

Henrik Lode: „Die Hummel“

„Dichtungsring. Zeitschrift für Literatur“ (Ausgabe 39)

Eine Hummel auf dem Steg. Der Schwimmer in spe überschreitet die Planken, betritt das Insekt und wird gestochen. Verärgert versenkt er den Fuß im See und beschließt, Rache zu üben.

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Stellungnahme

Berlin, 1. April 2017

Sehr geehrte Damen und Herren der Berliner Staatsanwaltschaft,

meinem Recht als Beklagter nachkommend möchte ich zu den gegen mich erhobenen Vorwürfen („Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr“ und „Fahrlässige Körperverletzung“) Stellung beziehen.

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Walpurgisnacht

Henrik Lode: „Walpurgisnacht“

„Radieschen. Zeitschrift für Literatur.“ (Ausgabe 17: Zeichen und Wunder)

Die Nacht der feiernden Hexen, auch in Berlin sind die Leute auf der Straße, lachen, singen und tanzen, einige werfen mit Steinen und spielen mit Zündhölzern. Am Görlitzer Park kauft eine Frau Schawarma, ein Urlauber aus Tirol sucht im Gebüsch sein Fahrrad.

Am Oranienplatz bringt ein Vater seinen zweijährigen Sohn zu Bett. Zuvor hebt er ihn auf den Sims des geöffneten Fensters, zusammen schauen sie herab auf Essensstände und eine wogende Menge.

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Berufsrisikio

Henrik Lode: „Berufsrisiko“

Anthologie: „Frühlings Farben, Frühlings Duft“

Der Autor stellt die Bierflasche ins Gras, entfaltet eine Decke und breitet sie in der Frühlingsbrise auf der Wiese aus. Er rollt seinen Mantel zusammen – Ärmel nach innen, Kapuze außen – platziert ihn im Nacken und bettet sich auf sein Lager. Block und Stift liegen bereit, die Mine aufs Papier – schon vor dem ersten Komma jedoch versiegt die Farbe. Einzig eine Rille bezeugt noch literarische Mühen.

Der Autor schüttelt den Kugelschreiber, klopft die Spitze auf den Bogen, rotiert die Mine übers Blatt – erst langsam, dann schneller – schüttelt, klopft, rotiert von Neuem, ein Farbfluss indes bleibt aus.

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Ein guter Tag

Henrik Lode: „Ein guter Tag“

Anthologie: „Ein Hauch von Herbst“

Leiser Donner dringt sacht an mein Ohr. Von Westen zieht es dunkel herauf. Noch flutet Sonne die Bucht, dazu mich und den Steg, auf dem ich sitze.

Bald haben Wolken das Ufer erreicht. Das Licht wird seidig, die Luft wiegt schwer, Schwärme von Fliegen unter angrenzenden Bäumen. Lautlos schwimmen Enten vorbei.

Als mich erster Regen trifft, springe ich auf mein Rad. Ein Blitz erhellt die Baumkronen, ich zähle bis fünfundzwanzig und lausche dem Donner. Die Tropfen peitschen, der Wind hinterher, ich trete und lache und schaue zum Himmel.

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Einfach nur so

Henrik Lode: „Einfach nur so“

Anthologie: „Heißer Sommer“

Raus aus dem Schatten der Straßenbäume. Hitze schlägt mir entgegen, als ich die Auffahrt zum Park nehme. Trocken und staubig ist die Luft, das Gras weitgehend verbrannt. Wenige freie Stellen fallen ins Auge, Menschenmassen bevölkern das Areal, lachen, spielen, grillen. Kohlequalm hüllt mich ein – Atem anhalten, Augen schließen – schon bin ich hindurch, der Finsternis entronnen.

An der Liegewiese steige ich vom Rad. Menschen sitzen dicht an dicht, gebrandmarkt von Sonne, Qualm und Staub. „Brauchen Sie die noch?“ fragt ein Pfandsammler, deutet auf mein Bier. Ich kippe den letzten Schluck herunter und reiche ihm die Flasche.

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Ein schlechter Tag

Henrik Lode: „Ein schlechter Tag“

Anthologie: „Liebe Laster Leben. Texte von Jung und Alt“

Ich öffne die Augen, es ist Sonntag. Sie liegt neben mir, schläft noch. Leise stehe ich auf und gehe zum Bäcker. Als ich zurückkomme, ist sie wach, hebt den Kopf, schaut mich an.

Über ein Jahr kennen wir uns, über ein Jahr lebe ich nur für sie, über ein Jahr weiß sie nichts davon.

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Bilanz

Henrik Lode: „Bilanz“

Anthologie: „Diebe sind auch nur Menschen“

Der Blick bleibt an schwarzem Aluminium haften. Kurz bedenke ich meine greise hintere Nabe, wende und steige – alkoholisch erschwert – vom Sattel. Ich stelle mein Rad ab, gehe unter der Laterne in die Knie und öffne den fremden Schnellspanner. Die Felge ruckt, lässt sich jedoch nicht vom Rahmen lösen.

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